Interview der Zeitschrift ELTERN mit Thomas Künne

Das nachfolgende Interview zwischen der Zeitschrift Eltern www.eltern.de und Thomas Künne gibt einen tiefen Eindruck über das Weltbild, das der klassischen Astrologie und den daraus resultierenden Erkenntnisprozessen für den Menschen zugrunde liegt.

Das Interview als PDF-Download

Interview

ELTERN: Was ist eigentlich klassische Astrologie genau, wo liegen ihre Wurzeln, was kann sie und wo liegen ihre Grenzen?

TK: Die Ursprünge liegen in den frühen Hochkulturen: der Sternenhimmel mit seinen periodisch wiederkehrenden Erscheinungen bot sich als Hilfsmittel für das irdische Leben und Überleben geradezu an:

Sie fungierten als Wegweiser für den richtigen Zeitpunkt zum Säen und Ernten (eine Fehleinschätzung hatte katastrophale und lebensgefährliche Folgen für ganze Völkerstämme), später als Orientierungshilfen in der Navigation (Seefahrt).

In Mesopatamien, dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris entwickelten Priester (ca. 3.000 v. Chr.) ein schlüssiges System zur Sternenbeobachtung- und auch Deutung, die Babylonier, die Ägypter, Griechen oder Römer, sie alle verfeinerten ihr System der Astrologie.

Von den Griechen und Römer wissen wir, dass der Himmel auch der Wohnort der Götter ist: diesen zu opfern und zu dienen stimme sie freundlich für eine erfolgreiche Ernte, eine ungefährliche Reise oder einen erfolgreichen Feldzug etc...

Namen wie Mars (= Sternzeichen Widder), Merkur (Sternzeichen Zwilling und Jungfrau) oder Jupiter (Sternzeichen Schütze) etc. sind bis heute die verwendeten Namen für die entsprechenden Urprinzipien. Eine Würdigung und Beachtung dieser Urprinzipien (analog der Götter bei den Griechen und Römern) im eigenen Horoskop hilft bei der sinnvollen Bewältigung des eigenen Lebens.

Völlig zurecht nannte man in früheren Zeiten die Astrologie die königliche Wissenschaft. Klassische Astrologie umfasst die gesamte Wirklichkeit im Himmel wie auf Erden, die auf allen Ebenen mit gleichem Erfolg angewendet werden kann, sie ist universal.

Nicht grundlos verfasste Johannes Kepler ein Buch mit dem vielsagenden Titel: Warnung an die Gegner der Astrologie, ebenso wenig grundlos wie Paracelsus, der jeden Arzt, der nicht der Astrologie kundig sei, als einen Scharlatan und Kurpfuscher bezeichnete.

Hierin liegen auch die großen Chancen der klassischen Astrologie:

Wenn du in Dir selbst nicht zuhause bist, bist Du nirgendwo zuhause!

Wo liegen nun die Grenzen der klassischen Astrologie?

Es steht schon in der Bibel: Der Geist steht über der Materie. Hat sich der Geist aber meist sehr lange Zeit über alle Bedürfnisse der Materie hinweggesetzt, so zeigt sich dieses Defizit z. T. in sehr heftigen körperlichen Geschehnissen (von Verkrampfung bis hin zu Herzinfarkt, von Gallenkolik bis Bandscheibenvorfall etc).

Hier liegt das Kind erstmal im Brunnen (der Erkenntnis?) und muss sofort schulmedizinisch behandelt werden.

Ein akuter Schlaganfall muss sofort allopathisch versorgt werden, hier entscheidet jede Sekunde über Leben und Tod.

Wohl aber in der Nachsorge, im Prozess der Gesundwerdung des Menschen bieten sich verschiedene Wege an, die nach Rom führen.

In der bewussten Aufarbeitung des Krankheitsgeschehens, in der Frage nach der Ursache, nach dem Warum? und Warum gerade mir? bietet die seriöse klassische Astrologie eine wunderbare Chance zur Erkenntnis (für die Vergangenheit) und Prävention (für die Zukunft).

ELTERN: Welche Zitate grosser Geister der Weltgeschichte (wie z. B. Johann Wolfgang von Goethe) sind uns über die Astrologie überliefert?

TK: Ein Arzt ohne Kenntnisse der Astrologie hat nicht das Recht, sich Arzt zu nennen (Hippokrates).

Nun, da der Abend unser Aug` umflort, betracht` ich zukunftssüchtig die Gestirne, durch die uns Gott in Lettern, wohl zu deuten, der Kreaturen Los und Schicksal kündet. Denn aus der Himmelshöhn den Menschen schaut, weist ihm aus Mitleid oft den rechten Pfad in seiner Sterne Schrift am Firmament. Doch wir, (den Blick) am Staube sündenschwer, verachten solche Schrift und seh`n sie nicht (William Shakespeare).

Wie Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je älter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir (Immanuel Kant).

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen, die Sonne stand zum Grusse der Planeten, bist alsobald und fort und fort gediehen, nach dem Gesetz, wonach du angetreten. So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen, so sagten schon Sibyllen, so Propheten; und keine Zeit und keine Macht zerstückelt. Geprägte Form, die lebend sich entwickelt (Johann Wolfgang von Goethe aus: Orphische Urworte).

Und solang Du dies nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist Du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde (Johann Wolfgang von Goethe).

Wir werden in einem vorausbestimmten Augenblick geboren, an einem vorausbestimmten Platz, und haben, wie der Jahrgang eines Weines, die Qualität des Jahres und der Jahreszeit, in der wir zur Welt kamen. Nicht mehr und nicht weniger behauptet die Astrologie (Carl Gustav Jung).

ELTERN: Wie kann es sein, dass zum Zeitpunkt der Geburt die Sterne auf mich wirken?

TK: Betrachten wir ein jedem Kind bekanntes Messinstrument: das Thermometer. Wird es draussen kalt, sinken die Temperaturen. Im Hochsommer steigt das Quecksilber in die Höhe es ist warm oder sogar heiss.

Kein einigermassen vernünftig denkender Mensch käme nun auf die absurde Idee zu behaupten, dass das Messinstrument Thermometer auf die Temperatur einwirkt oder sogar dafür verantwortlich ist!

Weitere Beispiele aus unserem Alltag:

Auch die Astrologie fungiert als ein solches Messinstrument: sie erhält in der Konstellation der Sterne im Augenblick der Geburt ein objektives und vollkommen wertfreies Bild: das Horoskop: (Hora = die Stunde; skopein = blicken), also heißt horoskopieren: in die Stunde blicken.

Das Horoskop ist demnach die Momentaufnahme des Himmels zum Zeitpunkt der Geburt, es zeigt die Qualität der Geburtszeit an.

Frühere Hochkulturen kannten noch zwei Wesenszüge von Zeit: deren Quantität und Qualität.

Unser heutiges Industriezeitalter, in der Zeit Geld ist, hat die Qualität der Zeit mehr oder weniger eingebüßt.

Lernten die antiken griechischen Schulkinder noch je einen Begriff für Zeitquantität (= Chronos) und Zeitqualität (= Kairos), so liegt der Schwerpunkt heute fast nur noch auf der Seite der Quantität, frei nach dem Motto: das Rad dreht sich immer schneller.

Fügen wir diese Mosaiksteine der Erkenntnis zusammen, so erhalten wir das korrekte Bild der klassischen Astrologie:

Kurz und bündig: Wahre Astrologie ist demnach nicht der Glaube an die Beeinflussung des Menschen durch die Gestirne, sie ist vielmehr ein Abbildungssystem der Wirklichkeit.

ELTERN: Können Sterne überhaupt eine physikalische Wirkung auf den Menschen haben?

TK: Ja, sicher können sie das. Jedes Kind weiss von dem Einfluss des Mondes auf die Gezeiten Ebbe und Flut, jede Frau kennt die Verbindung des Mondzyklus zum Menstruationszyklus. Verwirrung kommt erst dadurch zustande, dass selbst manche Astrologen an den kausalen Einfluss auf unser Schicksal glauben:

In unserer wissenschaftsgläubigen Zeit werden phänomenale Forschungsergebnisse angeführt, die Korrelationen zwischen Sonnen- fleckeneruptionen, Gestirnstandsveränderungen und den elektromag- netischen Feldern einer lebenden Zelle vorlegen.

Auch ist der Einfluss des Mondes auf den menschlichen Wasserhaushalt (der Mensch besteht bekanntlich zu ca. 70% aus Wasser) heute nachweisbar.

Diese Korrelationen bezweifelt niemand!

Doch sie sagen absolut nichts über eine über einen kausalen Zusammenhang auf unser Schicksal aus, sie bestätigen bestenfalls, dass alles in diesem Universum miteinander in Verbindung steht, als analoge Verhaltensweisen auf verschiedenen Ebenen (wie oben – so unten, wie innen – so aussen, wie im Himmel, so auf Erden).

ELTERN: Kritiker behaupten, der heutige Sternenhimmel sei ein anderer als zu der Zeit, als sich die Astrologie entwickelt hat!

TK: Das ist scharf beobachtet und beruhigend, denn es beweist: die Erde dreht sich tatsächlich!

125 v. Chr. wurde der Frühlingspunkt (oder Widderpunkt) als Anfangspunkt der Zählung eingeführt (vom griech. Astronomen Hipparchos). Infolge der Präzession (= Drehbewegung der Erdachse) verschieben sich die Sternbilder aus den Zonen ihrer Namensgebung, die sog. Äquinoktialpunkte rücken langsam aber sicher vor, um in ca. 26.000 Jahren wieder ihre Ausgangsposition zu erreichen.

D.h.: auch die Erde bewegt sich durch die Tierkreiszeichen, das Wassermannzeitalter hat soeben begonnen und wird uns die nächsten 2.156 Jahre begleiten.

Zurück zu den Kritikern: Die Präzession berührt die Urprinzipien (Tierkreiszeichen) in keiner Weise, weil sie ausser der Namensgebung absolut nichts mit den Sternbildern gemeinsam haben. Klassische Astrologie beschäftigt sich mit Inhalten, nicht mit Formen.

ELTERN: Warum sagen seriöse Astrologen, dass die Betrachtung der ersten Lebensjahre so bedeutsam ist?

TK: Nun, die Zeit der Schwangerschaft erscheint zwar mit ihren neun Monaten den Eltern bisweilen unendlich lang, bezogen auf das Neugeborene ist sie aber so kurz, dass es nahezu hilflos auf diese Welt kommt. Die Eltern wollen natürlich vom ersten Atemzug das Beste für ihr Baby, die existentiell wichtige Frage heisst aber: ist es auch wirklich das Beste für Ihr Baby? Das Baby selbst kann ja es (noch) nicht ausdrücken!

Aber: eine astrologische Deutung der/s ersten Lebensjahre(s) erläutert den Eltern sehr anschaulich, welche innerseelischen Anteile im Baby ablaufen, gelebt und gefördert werden wollen; es führt durch die Wünsche und Sehnsüchte des Neugeborenen, um seinen Platz in dieser Welt zu erobern.

ELTERN: Wie unterscheide ich seriöse Astrologie von unseriöser Jahrmarktsastrologie?

TK: Seriöse Astrologie führt den Menschen über bewusstes Erkennen seines Lebensmusters, seiner Chancen und Potentiale wie auch seiner möglichen Blockaden in die individuelle Freiheit und bestmöglichen Lebensfluss in Gesundheit, im Einklang mit seiner inneren und der äußeren Welt, frei von Fremdbestimmung und Selbstverleugnung.

Unseriöse Astrologie arbeitet mit Fixierungen, wie z. B. am Mittwoch haben sie einen Verkehrsunfall, am Samstag gewinnen sie im Spielcasino. Dies führt den Menschen in die Unfreiheit. Wenn sie einem heranwachsenden Kind immer wieder die Fixierung mitgeben: Du bist nix, du kannst nix und aus dir wird nix ist die Wahrscheinlichkeit sicher größer, dass er im Leben strandet.

Soll heißen: der Weg in die individuelle Freiheit geht nur über Bewusstseinsarbeit, das Erkennen der Aufgaben, die im Horoskop sichtbar werden sind hierzu die planetarischen Wegweiser. Im Horoskop gibt es lediglich Inhalte und keine Formen wie z. B. Autounfall, Lottogewinn, Flugzeugabsturz.

Wer Ihnen das prophezeit, der ist am Raten! Im Horoskop gibt es keine Autos, Flugzeuge, Don Juans, hübsche Blondinen, Lottozahlen etc.etc.

Z. B. Prognose Autounfall: Bisweilen fallen Geratenes und Wirklichkeit tatsächlich zusammen, weil die Wahrscheinlichkeit heutzutage größer ist, einen Autounfall zu haben als aus der Postkutsche zu fallen.

ELTERN: Warum begeben sich viele Menschen in die Hände dieser Jahrmarktsastrologie?

TK: Zugegeben, es klingt durchaus verlockend, das eigene Leben durch äußere Hilfsmittel harmonischer, schöner, angenehmer und vor allem leichter zu gestalten.

Die Menschheit scheint fasziniert von der Idee, das Schicksal zu manipulieren, so leben z. B. ganze Industriezweige vom Glauben an die ewige Jugend, ja sogar bisweilen vom ewigen Leben.

So erklärt sich letztendlich auch der run auf diese Jahrmarktsastrologie. Bitte messen sie die Astrologie nicht an den Denkfehlern und Verirrungen ihrer Benützer, denn sinkt sie auf dieses Niveau, so darf man sich auch nicht wundern, daß die Vorwürfe des Aberglaubens nicht verstummen (Thorwald Dethlefsen: Schicksal als Chance, Kapitel über Astrologie).

Verstehen Sie Ihr Geburtshoroskop als Samenkorn Ihres Lebens, so können Sie die darin enthaltenen Zutaten ebensfalls zur Entfaltung bringen: von innen (durch Bewusstwerdung) nach außen (Sichtbar- machung) und niemals umgekehrt.

Die Lerninhalte des Lebens lassen sich nicht manipulieren, nur bewusst und entspannt leben im Hier und Jetzt oder verkrampft im Wenn und Aber.

ELTERN: Welche verschiedenen Horoskoparten können wichtige Erkenntnisse für den Einzelnen oder für die Partnerschaft liefern?

TK: Eine noch genauere ausführliche Beschreibung finden Sie unter Horoskope!

Das Geburtshoroskop (Radix): die Lerninhalte des Lebens
Im Geburtshoroskop (Radix) werden die inviduellen Lerninhalte und die persönlichen innerseelischen Kräfteverhältnisse beleuchtet. Die Sichtbarmachung der Licht- und Schattenseiten der Persönlichkeit schafft ein tieferes Verständnis für die "schicksalshaften" Zusammenhänge und damit für das eigene Leben. In den Schatten abgesunkene Bereiche des Seins können zu Blockaden und Krankheitssymptomen führen. Eine Bewusst-Werdung kann das Leben in Fluß bringen und brachliegende Potentiale aktivieren.

Das Solar-Horoskop: die aktuellen Lerninhalte
Das Solar-Horoskop besitzt für den Zeitraum eines Jahres Gültigkeit, es bezieht sich auf die Zeit von einem Geburtstag bis zum nächsten. Somit ist es ein Teilausschnitt aus der Gesamtlebensthematik (die wir im Geburthoroskop/Radix finden), eine Zeitspanne auf dem Weg zur Verinnerlichung von Lebensinhalten. Sinnvoll ist nicht nur eine Betrachtung für das aktuelle Lebensjahr, es können besonders prägende oder auch unverstandene Jahre aus der Vergangenheit näher beleuchtet und bewusster werden.).

Das Septar-Horoskop: die Verwirklichung individueller Lebensbereiche
Alle sieben Jahre erneuert sich das Leben, sagt das Sprichwort (Septar = Sieben). Das Septar- Horoskop schafft eine weitere Verständnisebene durch die Besprechung der einzelnen "Erlebnisbühnen" des Lebens, den Häusern. Die Bewusstseinsarbeit bearbeitet die unterschiedlichen Bereiche wie Familie, Partnerschaft, Beruf, Gefühle, wie auch Wertvorstellungen und Glaubenssätze des Einzelnen. Die Septar-Besprechung ist ein wunderbarer Schlüssel zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung und zur Ergründung des Seelenpotentials. Eine Besprechung des Geburts-Horoskopes sollte voraus gegangen sein.

Das Partnerschafts-Horoskop (Komposit): Lernthemen der Partnerschaft
Das Komposit-Horoskop beschreibt die Lernthemen von Partnerschaften, die Reibungspunkte, die Gemeinsamkeiten, die Ergänzungen zur eigenen Persönlichkeit wie auch die Möglichkeit zum Wachstum. Partnerschaften sind hierbei nicht auf Ehen oder Freundschaften beschränkt, ebenso können Komposite auf Verbindungen zwischen Eltern und Kindern, Verwandten, Kollegen, Mitarbeitern sowie allen denkbaren Beziehungen erstellt werden. Voraussetzung für die gemeinsame Besprechung des Partner-Horoskopes ist jeweils eine Einzelsitzung (Geburtshoroskop) beider Partner.

ELTERN: Was bedeutet eigentlich der Aszendent und das Sternzeichen genau?

TK: Einen wichtigen Stellenwert nimmt bei der Besprechung des individuellen Horoskopes der Aszendent und das Sternzeichen (das Sonnenzeichen) ein.

Sie können sich das so vorstellen: Aszendent und Sternzeichen sind wie zwei Dias, die von einer Lichtquelle gleichzeitig an die Wand geworfen werden. Beide sind immer da, werden aber im Laufe des Lebens unterschiedlich beleuchtet:

Der Aszendent des Menschen zeigt die Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Menschen, die er mitbringt. Bis ca. ins Alter von 42 Jahren zeigt sich der Mensch primär als Verkörperung seines Aszendenten.

Der Aszendent zeigt an, was der Mensch schon kann. Das Sternzeichen (Sonnenzeichen) ist der Auftrag des Menschen: es zeigt an, was er noch nicht kann, was er sich z. T. sehr mühsam im Laufe seines Lebens erarbeiten sollte.

Das Sternzeichen zeigt an, was der Mensch noch nicht kann,was ihm noch fehlt.

Unter diesem Aspekt erhalten die so beliebten Horoskope in diversenTageszeitungen einen ganz neuen Stellenwert. Die Formulierung Ich bin Löwe, ich bin Fisch etc. bei jungen Menschen (unter 42 Jahren) könnte dann lauten: „Ich bin momentan noch primär Aszendent Krebs oder Skorpion, ich schaue schon mal nach, was mir zum Löwen oder zum Fisch noch fehlt...“

ELTERN: Gibt es so etwas wie gelebte Astrologie?

TK: Ja, die gibt es! Das ist ein bewusstes Leben im Einklang mit den persönlichen Lebensthemen und den momentanen Aufgabenstellungen.

Das Leben ist doch eigentlich wie eine Schulklasse: ich kann weiterkommen oder ich kann sitzenbleiben! Im Grunde erschaffe ich mir meine eigene Lebenswelt im Rahmen meiner Möglichkeiten, die Welt ist nur mein Spiegel.

Gelebte Astrologie ist eine wunderbare Lebenshilfe: ich sehe im Horoskop ganz genau, welche Lebensthemen z.Zt anstehen. Somit haben Sie hier einen Lehrplan vor Augen: sie sehen die Themen und Inhalte, die Umsetzung liegt an Ihnen.

Geschehen werden die Themen 100%ig, es liegt am Einzelnen selbst, ob er bewusst den Ball des Lebens auffängt oder auf dem Spielfeld des Lebens evtl. die gelbe Karte gezeigt bekommt.

Wie sagt Ruediger Dahlke so treffend: Lieber entspannt im Hier und Jetzt, als verkrampft im Wenn und Aber.

Wahre gelebte Astrologie ist also ein Weg zur Selbsterkenntnis, sie lehrt den Menschen, die Welt, sich selbst und die Mitmenschen aus ihren eigenen Lebenssituationen zu verstehen und sich innerlich damit aus- zusöhnen. Wie will man noch jemandem böse sein, wenn man ihn versteht?

ELTERN: Was macht man falsch, wenn man auf die Astrologie pfeift?

TK: Nun, richtig und falsch sind Wertungen, die häufig auf Urteilen und Vorurteilen beruhen. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es weiss der Volksmund und die klassische Astrologie bietet die wunderbare Chance, sein eigenes Leben selbst besser zu verstehen, und das ist eine gute Sache, oder?

Das Verständnis der eigenen Grundstruktur, des Lebenskuchens mit allen Zutaten, der Licht-und Schattenseiten weckt das Verständnis dafür, dass wir allein für unsere Handlungen verantwortlich sind. Es sind nicht die anderen, der Nachbar, der Chef, der Vater oder die böse Schwiegermutter, es sind wir selbst: wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück!

Meine Arbeit richtet sich auch verstärkt auf den psychosomatischen Anteil, soll heißen: wo nehme ich Teile meiner Persönlichkeit so in die Verdrängung, bis sie irgendwann (leidvoll) als Blockaden und Krankheiten wieder auftauchen. Kenne ich die Blockade oder Krankheit, führt diese direkt zu den verdrängten oder nicht gelebten Anteilen.

Das Koordinatensystem dieses Erkenntnisprozesses ist das persönliche Horoskop, das alle wichtigen Daten enthält, wertfrei und objektiv.

ELTERN: Welche Entsprechungen gibt es zwischen den Planeten und meinem Körper?

TK: Hermes Trismegistos formulierte wie oben, so unten – wie innen, so aussen, der geniale Paracelsus Mikrokosmos = Makrokosmos und in der Bibel lesen wir: Wie im Himmel, so auf Erden....

Die Menschheit weiß seit Urzeiten, dass wir in einzelnen Körperteilen wie z.B. Fuß (siehe Fußreflexzonenmassage), Ohr oder Iris gleichzeitig den gesamten Organismus wie ein offenes Buch vor uns liegen haben.

Wenn wir diesen Mikrokosmosmos Mensch nun analog dazu in unserem Denken erweitern zum Makrokokosmos Universum, so kommen wir direkt zu den Entsprechungen der Planeten (Urprinzipien) zu unserem Körper. Mit diesem Grundwissen der Menschheit arbeitet und heilt die archetypische Medizin.

Ein Beispiel zur Erläuterung: Mars ist der im Sternzeichen Widder herrschende Planet, es ist das Urprinzip Mars. Mars wiederum ist in der griech. Mythologie der Kriegsgott, so fällt analog dazu das Tierkreiszeichen Widder in den Frühling, die Zeit des (aggressiven) Aufbrechens der Natur, das neues Leben schafft, einen Neubeginn ermöglicht.

Mars hat also im positiven Sinne mit Aggression zu tun. Die körperliche Entsprechung des Urprinzipes Mars/Widder sind u.a. Kopf, Zähne, Nägel sowie die quergestreifte Muskulatur.

Was passiert, wenn wir die Aggression nicht herauslassen, sondern sorgfältig in uns verbergen? Nun, im Bereich der Muskulatur fühlen wir uns verspannt und wie gelähmt, im Bereich des Kopfes nennen wir diese Verspannungen Kopfschmerzen. Auch allergische Reaktionen sind u. a. Zeichen einer unterdrückten und nicht gelebten Aggression. Ein geschulter Blick ins Horoskop kann nun Erkenntniswege eröffnen, wie der Einzelne derart mit Mars umzugehen lernt, dass er seine Aggression sinnvoll auslebt und nicht in den Schatten, in die Blockade oder gar Krankheit abrutscht.

Entsprechungen zwischen Planeten und Körperregionen:

ELTERN: Wie entstehen Blockaden aus Sicht der Astrologie und der archetypischen Medizin?

TK: Im Grunde ist das Horoskop wie ein Samenkorn (nehmen wir einmal eine Sonnenblume als Beispiel). Wie in dem Samenkorn liegen im Neugeborenen alle Muster bereits vor, die sich im Verlaufe des Lebens erst noch zeigen werden.

Eine Sonnenblume, gehegt und gepflegt, regelmässig bewässert, mit einem schönen Platz in der Sonne, wird zur eine strahlenden Vertreterin ihrer Gattung werden. Oder: bei miserabler Pflege wird sie lieblos dahinvegetieren, ein Schattendasein führen, kein freudiger Anblick, eher bemitleidenswert.

Kein Zweifel: beides sind Sonnenblumen, aber was für ein Unterschied!?

Was heisst das nun auf uns Menschen übertragen: im Rahmen unseres Lebensplanes (den uns die Astrologie als Messinstrument sehr schön liefern kann) liegt es vollkommen an uns allein, wie wir mit diesen Wegweisern unseres Lebens umgehen.

Eines ist klar: immer dann, wenn wir etwas verdrängen, vertuschen und kaschieren wollen, kommt es an anderer Stelle wieder hervor, meist un-angenehmer und störender als zuvor. Ein Thema ist eben erst dann bearbeitet, wenn es bearbeitet ist. Da helfen auch keine Medikamente, die das Symptom (eine Zeitlang) unterdrücken, aber das eigentliche Thema, das Problem oder die zu bearbeitende Aufgabe ausser Acht lassen.

Kehricht, den wir unter den Teppich kehren, bleibt trotzdem Kehricht. Der Ansatz der archetypischen Medizin in Kombination mit klassischer Astrologie ist es, solche Blockaden im Vorfeld garnicht erst entstehen zu lassen. Liegen bereits Blockaden und Krankheitsgeschehen vor, können wir gemeinsam an den Punkt im Leben zurückgehen, an dem wir falsch abgebogen sind oder uns verlaufen haben, um in der Folge ein Leben im Einklang mit dem eigenen Muster zu führen und nicht gegen das eigene Muster.

Ein Leben gegen das eigene Muster ist wie Gasgeben und Bremsen gleichzeitig, es führt (wie beim Auto) zu einem unnötigen Verschleiss, notwendigen Reparaturen und Verzögerungen auf dem Weg.

ELTERN: Was versteht man unter den der klassischen Astrologie zugrunde-liegenden Urprinzipien und Archetypen?

TK: Die Urprinzipien (Archetypen) verkörpern die Grundbausteine allen Lebens in diesem Universum. Sie sind a prori vorhanden, existieren bereits vor jeder Formwerdung.

C. G. Jung hat deutlich darauf hingewiesen, dass es sich bei den archetypischen Mustern um universell gültige und überpersönliche Faktoren handelt, deshalb hat er diese Schicht als das kollektive Unbewusste bezeichnet.

Die Urprinzipien (Archetypen) tragen die Namen der himmlischen Repräsentanten, der Planeten, sie heissen Sonne, Merkur, Venus, Mond, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto.

Diese zehn Urprinzipien differenzieren sich in 12 Urbilder, den Ihnen geläufigen Tierkreiszeichen Widder, Stier, Zwilling, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische.

Astrologie ist nicht die Lehre von den Sternen, sondern sie bedient sich lediglich des Sternenhimmels als besonders einfache und für jeden leicht zugängliche Beobachtungsebene (Messinstrument).

Die Beobachtung dieser Ebene lässt sich nun auf alle erdenklichen Ebenen übertragen (Gesetz der Analogie = wie oben, so unten – wie im Himmel, so auf Erden).

Kennen wir also das zugrunde liegende Urprinzip, so haben wir sofort Zugang zu allen Bedeutungsebenen dieses Archetypus.

ELTERN: Können Sie das "senkrechte Weltbild" erläutern, um das Verständnis für das Denken in Urprinzipien zu erleichtern?

TK: Nun, schauen wir zunächst einmal auf ein grosses Ölgemälde, vielleicht Rembrandts Nachtwache oder Dalis Thunfischfang etc. Sie sind so fasziniert von dem Werk, dass sie es kopieren wollen, d.h. nachmalen in der selben Größe und mit den gleichen Farben des Originals.

Sie analysieren jedes Details und kommen aufgrund Ihrer intensiven Recherche zu dem Ergebnis: der Maler hat .1296 verschiedene Farbtöne verwendet.

Kein Mensch würde nun auf die groteske Idee kommen, 1.296 verschiedene Farben im Fachhandel kaufen zu wollen! Sie wissen: ich bediene mich der Grundfarben und mische mir die Farbtöne selbst.

Nicht anders verhält es sich mit den Urprinzipien: zwar besteht die Welt aus unzähligen Erscheinungsformen, aber alle lassen sich auf die Grundbausteine, d.h. auf die Urprinzipien (Archetypen), reduzieren.

Der Vielfalt aller Erscheinung lässt sich also eine beschränkte Zahl von Einheiten zugrunde legen und zwar durchzieht ein Urpinzip senkrecht alle Ebenen der Erscheinungsformen.

Was heisst das konkret?

Die zwölf Tierkreiszeichen sind die Ursymbole, die archetypischen Kräftespiele, denen sich nicht nur der Mensch in all seinen Funktionen, sondern auch die Welt in ihrer Ganzheit zuordnen lässt.

So wird die Welt der Formen und Erscheinungen zu einem Gleichnis, kenne ich ich eine Erscheinungsform des Urprinzips, kenne ich alle.

ELTERN: Können Sie Beispiele für das Denken in Urprinzipien anführen?

TK: Jeder von Ihnen macht das unbewusst!

Wie oft haben Sie schon (dreimal) auf Holz geklopft, um sich des Glücks zu versichern? Sind sie unbeschadet und glimpflich aus einer Sache herausgekommen, so haben sie Schwein gehabt.

Für den astrologisch Geschulten, der in senkrechten Analogieketten denkt, liegen die Verbindungen zum Urprinzip Jupiter klar auf der Hand (= Sternzeichen Schütze).

Jupiter wird allgemein auch als das große Glück bezeichnet, es repräsentiert das Prinzip der Fülle und Expansion.

Das Schwein repräsentiert auf der Tierebene das Jupiterprinzip, Holz auf der Ebene des Materials.

D. h.: der Begriff Glück wird lediglich durch andere Begriffe des Jupiterprinzips ersetzt.

Betrachten wir ein Beispiel aus dem Uranusprinzip (Sternzeichen Wassermann): Dieses steht für Unterbrechung der Kontinuität, für aus der Reihe tanzen, die Norm verlassen, neue Wege gehen, spinnen.

Auf der Tierebene repräsentiert der Vogel das Uranusprinzip. So wird die Redensart: Der hat ja einen Vogel! klar verständlich.

Die Betrachtung von Redensarten, gewachsen und überliefert seit vielen Generationen, lässt vermuten,dass das analoge Denken, d. h. das Denken in Urprinzipien , bei unseren Ahnen ein fester Bestandteil des täglichen Lebens war. Es ist ein Denken in immer wenn, dann Zusammenhängen, welches in der heutigen Zeit fast vollkommen den das ist so, weil Zusammenhängen Platz machen mußte.

Konkret: unser heutiges Denken ist linear-kausal in steht damit in Polarität zum senkrecht-analogen in Urprinzipien.

Wenn wir die Polarität des Lebens begreifen und zu unser eigenen machen (wie bei Einatmen und Ausatmen, Tag und Nacht, Yin und Yang, Licht und Schatten, Leben und Sterben etc.), dann missverstehen wir das Denken in Analogien (Urprinzipien) nicht als falsches Modell, sondern als ergänzenden Pol zu unserem einseitigen rationalen Zugang.

ELTERN: Welche Literaturempfehlungen können Sie uns geben?

TK: Erstaunlich ist es schon: in unserer ach so wissenschaftsgläubigen Zeit schiessen die Veröffentlichungen auf dem Sektor der Astrologie wie Pilze aus dem Boden! Ich sehe das äusserst positiv, zeigt es doch erste vorsichtige Versuche des Wassermann-Zeitalters, den Nährboden für ein geistiges Wachstum des Menschen hin zu Eigenverantwortung und Eigenliebe, weg von Fremdbestimmung und einseitigen Egostrukturen, zu schaffen.